Stell dir vor, du hast einen guten Monat. 200 Buchungen über deine Plattform, Durchschnittsumsatz 65 Euro pro Termin. Das sind 13.000 Euro Umsatz. Klingt nach einem starken Ergebnis – bis du die Provisionsabrechnung öffnest.
Bei 25 % Provision gehen 3.250 Euro direkt an die Plattform. Nicht für Werbung, nicht für neue Kunden – einfach dafür, dass jemand den Buchungsbutton bereitgestellt hat. Jeden Monat. Bei jedem Termin. Auch bei Stammkunden, die dich längst kennen.
Das ist die Realität für tausende Salons in Deutschland. Und genau diese Realität steht vor dem Aus.
Wie das Provisionsmodell entstanden ist
Als Plattformen wie Treatwell, Booksy oder Fresha den Markt betraten, war ihr Versprechen einfach: „Wir bringen dir neue Kunden.“ Das klang fair. Wer Kunden vermittelt, bekommt einen Anteil. Klassisches Marktplatz-Modell, wie bei Lieferando oder Booking.com.
Das Problem: Dieses Modell funktioniert für Restaurants und Hotels, wo jeder Gast ein neuer ist. Aber nicht für Salons. Denn Salons leben von Stammkunden. 70–80 % des Umsatzes kommen von Menschen, die regelmäßig wiederkommen. Die brauchen keine Vermittlung – sie brauchen nur einen Buchungsbutton.
Trotzdem zahlen Salons für jeden einzelnen Termin Provision. Auch für die Kundin, die seit drei Jahren alle sechs Wochen kommt. Auch für den Herrenschnitt, der über Google und nicht über den Marktplatz gebucht wurde. Die Plattform verdient an jedem Termin mit – ohne Mehrwert.
Was Provision wirklich kostet: eine ehrliche Rechnung
Lass uns das durchrechnen. Nicht mit abstrakten Prozentzahlen, sondern mit echten Salon-Zahlen:
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Buchungen pro Monat | 200 |
| Durchschnittlicher Umsatz pro Termin | 65 € |
| Monatsumsatz (Plattform) | 13.000 € |
| Provision (25 %) | 3.250 € |
| Jahreskosten Provision | 39.000 € |
39.000 Euro im Jahr. Für einen Buchungskalender und eine Plattform-Listung. Das ist mehr als ein Jahresgehalt einer Teilzeitkraft. Mehr als die Miete vieler Salons. Und es wird jedes Jahr mehr, weil der Betrag mit deinem Umsatz wächst.
Die perfide Logik: Je besser dein Salon läuft, desto mehr zahlst du. Provision bestraft Erfolg.
Das Stammkunden-Paradox
Hier liegt der eigentliche Denkfehler des Provisionsmodells. Plattformen argumentieren: „Wir bringen dir Kunden.“ Aber schauen wir auf die Zahlen:
- 70–80 % des Umsatzes eines durchschnittlichen Salons kommen von Bestandskunden
- Nur 20–30 % sind echte Neukunden, die über die Plattform kamen
- Nach dem ersten Besuch buchen die meisten Neukunden direkt beim Salon – sie brauchen die Plattform nicht mehr
Das heißt: Du zahlst dauerhaft Provision für Kunden, die du längst gewonnen hast. Die Plattform profitiert von deiner Kundenbindung, ohne etwas dafür zu tun. Das ist kein Partnership – das ist ein Rentenmodell.
Warum Salons trotzdem bleiben
Wenn das Modell so schlecht ist, warum wechseln nicht alle? Drei Gründe:
1. Angst vor dem Wechsel
„Was, wenn ich Kunden verliere?“ – Diese Angst ist verständlich, aber unbegründet. Deine Stammkunden kommen wegen dir, nicht wegen der Plattform. Wenn du ihnen einen einfachen Weg gibst, direkt zu buchen, nutzen sie ihn. Studien zeigen: Über 90 % der Stammkunden folgen dem Salon, nicht dem Marktplatz.
2. Technische Hürden
Viele Salons denken, sie brauchen einen Entwickler für eine eigene Buchungsseite. Das war vielleicht 2018 so. Heute gibt es Lösungen, die in 10 Minuten eine professionelle Buchungsseite erstellen – mit eigener Domain, eigenem Branding und ohne eine Zeile Code.
3. Die Marktplatz-Illusion
„Aber ich bekomme ja neue Kunden über den Marktplatz!“ Ja, vereinzelt. Aber rechne nach: Wenn du pro Neukunde 100–200 Euro Provision zahlst (über die Lebenszeit), ist das teurer als jede Instagram-Kampagne. Der Marktplatz ist die teuerste Kundenakquise, die es gibt – getarnt als kostenloser Service.
Die Alternative: Software statt Marktplatz
Die Lösung ist nicht, gar keine Software zu nutzen. Die Lösung ist, Software zu besitzen statt zu mieten. Der Unterschied:
| Marktplatz-Modell | Software-Modell |
|---|---|
| Provision pro Buchung (20–35 %) | Fester Monatspreis oder gratis |
| Kunden gehören der Plattform | Kunden gehören dir |
| Branding der Plattform | Dein Branding, deine Domain |
| Kosten steigen mit Umsatz | Kosten bleiben gleich |
| Abhängigkeit vom Algorithmus | Volle Kontrolle |
Ein Salon mit 13.000 Euro Monatsumsatz zahlt bei einem Provisionsmodell rund 3.250 Euro. Bei einem Software-Modell mit festem Preis? Zwischen 0 und 89 Euro. Das ist nicht mal ein Rundungsfehler im Vergleich.
Was sich 2025 verändert hat
Drei Entwicklungen haben den Markt gekippt:
- White-Label-Lösungen sind erschwinglich geworden. Jeder Salon kann jetzt eine eigene Buchungsseite haben, die aussieht wie eine 20.000-Euro-App – für einen Bruchteil der Kosten.
- Google-Buchungen sind wichtiger als Marktplätze. Kunden suchen „Friseur in der Nähe“, nicht „Treatwell Friseur“. Wer eine eigene Website hat, wird direkt gefunden – ohne Mittelsmann.
- Social Media hat die Kundenakquise demokratisiert. Ein guter Instagram-Account bringt mehr Neukunden als jeder Marktplatz. Und die Buchung kann direkt auf die eigene Seite verlinken – provisionsfrei.
Der Rechencheck: Wann lohnt sich der Wechsel?
Die ehrliche Antwort: fast immer. Hier die Faustregel:
Wenn du mehr als 50 Buchungen im Monat über eine Provisionsplattform abwickelst, sparst du mit einer eigenen Lösung Geld. Ab 100 Buchungen wird es dramatisch.
Bei 100 Buchungen à 65 Euro und 25 % Provision zahlst du 1.625 Euro im Monat – 19.500 Euro im Jahr. Eine eigene Software kostet dich zwischen 0 und 1.068 Euro im Jahr. Die Ersparnis: mindestens 18.000 Euro pro Jahr.
Das Geld, das du sparst, kannst du in dein Team investieren, in bessere Produkte, in Marketing – oder einfach behalten. Es ist dein Umsatz. Er sollte auch bei dir bleiben.
So gelingt der Wechsel
Der Wechsel muss nicht schmerzhaft sein. Die wichtigsten Schritte:
- Kundendaten sichern. Exportiere alle Kontaktdaten, Terminhistorie und Notizen. Das gehört dir.
- Eigene Buchungsseite einrichten. Wähle eine Lösung, die in Minuten startklar ist – nicht in Wochen.
- Kunden informieren. Eine E-Mail oder WhatsApp genügt: „Ab sofort buchst du direkt bei uns – einfacher, schneller, ohne Umwege.“
- Social-Media-Links aktualisieren. Instagram-Bio, Google-Profil, Facebook-Seite – überall den neuen Buchungslink setzen.
- Alte Plattform kündigen. Nicht vergessen: Kündigungsfrist prüfen und rechtzeitig kündigen.
Fazit: Dein Umsatz gehört dir
Das Provisionsmodell war ein Produkt seiner Zeit. Als Online-Buchung neu war, brauchten Salons Plattformen, um digital sichtbar zu werden. Diese Zeit ist vorbei.
Heute hat jeder Salon die Möglichkeit, eine eigene digitale Präsenz aufzubauen – professionell, bezahlbar und unter eigener Kontrolle. Die Frage ist nicht mehr, ob sich der Wechsel lohnt, sondern wie lange du noch Provision zahlst.
Jeder Euro, den du an eine Plattform abgibst, ist ein Euro, der nicht in deinen Salon fließt. In dein Team, in deine Produkte, in dein Wachstum. Es wird Zeit, dass sich das ändert.
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